3. Rhonekorrektion: Prioritäre Maßnahme Chablais erreicht wichtiges EtappenzielInformationsveranstaltung für die Bevölkerung
Die Prioritäre Maßnahme Chablais, ein wichtiges Gemeinschaftswerk der Kantone Waadt und Wallis, erreicht mit ihrer öffentlichen Auflage vom 3. Oktober bis zum 2. November 2026 ein wichtiges Etappenziel. Dieses Großprojekt der 3. Rhonekorrektion wird den Schutz des Chablais vor Hochwassern dauerhaft stärken und dabei auch die Biodiversität fördern, Naherholungsgebiete für die Bevölkerung schaffen und die Nutzung der Uferräume verbessern.
Die 3. Rhonekorrektion (Rhone 3) ist das größte Hochwasserschutzprojekt in der Schweiz und erstreckt sich auf eine Länge von 162 Kilometern. Im Rahmen dieses umfassenden Vorhabens gelangt nun die Prioritäre Maßnahme Chablais (PM Chablais) vom 3. Oktober bis zum 2. November 2026 zur öffentlichen Auflage. Damit erreichen die Kantone Waadt und Wallis ein wichtiges Etappenziel.
Als größte bikantonale prioritäre Maßnahme von R3 ist die PM Chablais das konkrete Resultat dieser Zusammenarbeit an einem Projekt, das einen dauerhaften Hochwasserschutz, die Förderung der Biodiversität und die Gestaltung öffentlicher Räume unter einen Hut bringt.
Hochwasserschutz und Gewässerraum
Die PM Chablais als Herzstück der 3. Rhonekorrektion in der Region schließt an verschiedene, im Chablais bereits realisierte oder noch laufende Maßnahmen an, und zwar an die Vorgezogene Maßnahme Iles des Clous (MAIC), die Vorgezogene Maßnahme Grandes Iles (MAGI), die Prioritäre Maßnahme Delta (PM Delta) und den Ausbau der Rhone zwischen Bex und Massongex (MBR3). Als prioritär gilt die PM Chablais aufgrund der erhöhten Überflutungsrisiken sowie der wirtschaftlichen und territorialen Herausforderungen.
Vorgesehen ist eine Verbreiterung des Flussbetts, dessen durchschnittliche Breite von 60 auf 90 Meter erhöht wird, sowie eine Verstärkung bestehender Schutzbauten und der Bau neuer Dämme. Diese baulichen Maßnahmen sind so dimensioniert, daß sie die Ebene dauerhaft vor einem Extremhochwasser schützen. Sie erstrecken sich über 14 Kilometer und liegen auf dem Gebiet von acht Gemeinden: Bex, Ollon, Aigle, Yvorne, Massongex, Monthey, Collombey-Muraz und Vouvry. Ihre Fertigstellung soll bis 2040-2045 erfolgen.
Über den verstärkten Hochwasserschutz hinaus soll die Rhone der PM Chablais wieder mehr Raum geben, um ihre Dynamik und die Vielfalt der natürlichen Lebensräume zu verbessern und so die Biodiversität zu fördern. Der erwartete Mehrwert für die Umwelt ist erheblich, und die Rhone wird wieder alle ihre ökologischen Funktionen erfüllen können.
Erholung und Verbindung der Gemeinden
Im neu entstehenden Raum werden Einrichtungen für den Langsamverkehr und das Erholungsangebot der Bevölkerung die Erreichbarkeit und die Aufwertung der Uferräume stärken. Drei neue Langsamverkehrsbrücken werden die Siedlungszentren miteinander verbinden und so die Bewohner beider Ufer einander näher bringen.
Außerdem wird das Projekt jenen Wirtschaftszweigen, die derzeit noch durch Gefahrenzonen behindert werden, wieder Perspektiven für wirtschaftliches Wachstum eröffnen; insbesondere die Industriegebiete von Monthey, Collombey-Muraz, Aigle und Vouvry sollen mit der PM Chablais gesichert werden.
Weniger Beanspruchung von Fruchtfolgeflächen
Die PM Chablais wurde so optimiert, daß ihre Beanspruchung von Fruchtfolgeflächen (FFF) so weit wie möglich begrenzt und dennoch die Ziele des Hochwasserschutzes erreicht und die Umweltanforderungen erfüllt werden können. Im Vergleich zu den 2016 genehmigten Planungen konnte die Beanspruchung der FFF somit um mehr als 40 % reduziert werden.
Hochwasserschutz
Ermöglicht wurde diese Reduktion insbesondere durch die Einplanung integrierter Dämme, durch eine geringere Aufweitung entlang landwirtschaftlicher Parzellen – die wiederum durch die Renaturierung bestimmter Naturräume wie des Grand Canal kompensiert wird – sowie durch die Verfeinerung der hydraulischen Modelle auf der Grundlage der aus den letzten Hochwassern gewonnenen Erkenntnisse.
Den verbleibenden Auswirkungen des Projekts auf die Landwirtschaft wurde im übrigen durch verschiedene Ausgleichsmaßnahmen Rechnung getragen. Diese sehen unter anderem die Verbesserung der landwirtschaftlichen Bodenqualität, eine Überwachung des Grundwasserspiegels und der Grundwasserqualität sowie die Anpassung bestimmter Wege und Zufahrten vor, die den landwirtschaftlichen Verkehr gewährleisten.
Kosten und Finanzierung
Die Baukosten werden auf 368 Millionen Franken (exkl. MWST) veranschlagt. Der Bund wird zwischen 47 und 57 % der Kosten übernehmen, wobei der genaue Subventionssatz erst nach Inkrafttreten der Maßnahme festgelegt werden kann. Der Restbetrag wird von den Kantonen Wallis und Waadt sowie von den Gemeinden getragen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt beläuft sich der Nettoanteil der Kantone Wallis und Waadt je nach Höhe der tatsächlich erhaltenen Bundesbeiträge auf je 20 bis 25 %. Die Walliser und Waadtländer Gemeinden werden sich entsprechend mit 2 % bzw. 3 % beteiligen.
Öffentliche Auflage und Informationsveranstaltung
Die Auflagedossiers können vom 3. Oktober bis zum 2. November 2026 in allen betroffenen Gemeinden eingesehen werden:
- in den Gemeindekanzleien von Bex, Ollon, Aigle und Yvorne;
- in den Gemeindesekretariaten von Massongex, Monthey, Collombey-Muraz und Vouvry;
auf VD.ch/rhone3 und auf VS.ch/rhone.
Zudem findet am 6. Oktober 2026 um 18 Uhr in Aigle in der «Salle de l’Aiglon» eine öffentliche Informationsveranstaltung statt.
(pd)


