Buchvernisage “Die Fußball-Mafia”Wie die Fifa das schönste Spiel verkauft - im Fokus 2 Walliser
Im Fokus des Abends standen 2 Walliser. Sepp Blatter nebenbei als früherer Fifa-Präsident aber vor allen Dingen Gianni Infatino als amtierender. Die Fußball-Mafia – Wie die Fifa das schönste Spiel verkauft – so heißt das Buch, das vorgestellt wurde.
“Die aktuelle Fifa-Führung ist die grösste Gefahr für den Fussball. Doch das schönste Spiel ist stärker als jede Profitgier und Eitelkeit.”, so Thomas Renggli, Journalist und Buchautor.
In einem Raum der Sportarena Zürich mit einer außerordentlich gruseligen Akustik fand die Buchvorstellung “Die Fußball-Mafia” von Thomas Renggli statt. Das was über den Grusel der Akustik des Raums hinausging war allerdings der Inhalt des vorgestellten Buches.
In diesem ging es um Korruption und Unregelmäßigkeiten im Fußballbereich beziehungsweise im Weltfußball. Hauptfigur ein Walliser: Gianni Infantino. Auch Sepp Blatter kam zur Sprache, dieser sollte als Überraschungsgast kommen aber war aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage.

Der bekannte Sportjournalist Thomas Renggli seinerseits konstatierte bei der Veranstaltung zum Thema Korruption “Die Welt ist korrupt, warum soll der Fußball besser sein als die Welt?”
Es gab wie angekündigt einen Podiumsgespräch mit Moderation. Peter Marti, Präsident von “Vereinigt für Ethik im Sport (“United for Ethics in Sport”), Lars Lunde, ehemaliger Bayern-Spieler, Alexander Koch, ehemaliger Fifa-Mitarbeiter und ein Überraschungsgast waren unter der Moderation Sina Albisetti angekündigt. Einleiten tat den Abend der Geschäftsführer des Helvetia-Verlags, Lukas Heim.

Peter Marti vom Forum “Vereinigt für Ethik im Sport” äußerte, die Fifa hatte es versucht mit einer Ethikkommission. Blatter habe diese Initiative eigentlich immer sehr unterstützt. Dann aber kam Infantino. “Wir saßen bei ihm im Büro, aber waren nach 20 Minuten wieder draußen” beklagt Marti.
Fifa und Ethik würden nicht zusammenpassen, so Infatino. Die Moderatorin fragt, ob er dies wörtlich gesagt habe. Marti bejaht.
Er wollte den Forum United for Ethics in Sport nicht mehr unterstützen, so Infantino damals.
Zur Roten Karte, die jüngst zurückgenommen wurde frug Marti: Ist das noch ethisch? Die Fifa brauche Standards, Regeln, eine Corparate governance, forderte er.
Nach dem Podium: Peter Marti stellt sich den kritischen Fragen von Journalist Alex Gantner.Renggli: Infantino = SonnenkönigRenggli derweil bezeichnet Infantino als Sonnenkönig.
Auf die Frage, der Moderatorin, was Infantino gefährlicher machen würde als seine Vorgänger, äußert er, es sei die Vermischung von Sport und Macht.

Alexander Koch: Beide, Infantino und Blatter haben das Rampenlicht genossen, Gianni Infantino sei jedoch ein Egomane, der “vor nichts zurückschreckt”.
Renggli äußert sich: Infantino hat den Fußball quasi in Geiselhaft genommen. Er müsse jetzt aufpassen, daß es nicht justitiabel werde, so der Journalist. Infantino täte so, als ob der Fußball ihm gehört.
Marti fügt hinzu, die Werte seien verlorengegangen. Wichtig sei, daß die Leidenschaft zurückkomme und die Werte.
Großes Thema am Abend der Buchvernisage war – auch – das Eingreifen von Trump in den Fußball. Lars Lunde meint zum Zurückzug der Roten Karte: Das gehe gar nicht. Es gehe alles nur um Geld, so auch er.
Die Moderatorin fragt, Kann denn ein Land, indem es die Fifa sponsort diese kaufen und richtet diese Frage an Marti. Dieser wiederholt, das Geld mache die Fifa nicht kaputt, aber es brauche Regeln. Es hätte vor vielen Jahren angefangen mit Gratisflügen. Wenn man sich nicht an Verhaltensregeln halte werde es problematisch. Die Fifa habe vor allen Dingen nicht ein Problem mit Geld, sondern ein personelles.
Alexander Koch führt an: Zu seiner Zeit habe man sich immer wieder Gedanken gemacht, wie man die Fifa reformieren könne. Es stimmen 200 Präsidenten darüber ab, wo die WM stattfinden würde. Jeder habe hierbei sein Land im Fokus. Und dann komme die Frage auf, daß einer den anderen fragt: Warum soll ich für Dich stimmen?
Daher haben wir ein Gegenmodell entwickelt, so Koch. Mit 3 Faktoren. Ein gewichtetes Losverfahren mit klar festgelegten Kriterien, die gewichtet würden. Das zweite sei das Geldvergabesystem. Es funktioniere nicht, wenn jeder Verband gleich viel Geld bekomme. Es müsse ein Bedarfssystem her. Und als Drittes müßten die Stimmrechte reformiert werden, forderte Koch: Wer in der Liste des Ränkings auf Platz 1 von 211 ist, der hätte 211 Stimmen zu erhalten, der, der auf Platz 111 ist nur 1 Stimme. Somit wäre sichergestellt, daß der, der am meisten betroffen ist, auch am meisten Stimmrechte erhalte, so Koch.
März 2027: Wird Infantino wiedergeählt?
Auch um die Zukunft ging es beim Anlaß. Diesen hat zwar das Buch von Renggli noch nicht vorweggenommen, aber im März 2027 wird Infantino wieder als Präsident kandidieren, so die Moderatorin.
Koch äußert dazu, er hoffe, daß er nicht wiedergewählt werde und ein vernünftiger Gegenkandidat aufgestellt werden. Erstaunlich sei aj, daß das nicht 10 Kandidaten gibt für so einien Traumjob, so der Herr im beigen Anzug, der eine Beratungsfirma hat, die Sportberatungsmandate ausübt, Philip J. Müller. Er habe das Gefühl, daß Infantino das irgendwie überstehe.
Es werde Gegenkandidaten geben, so Marti dazu. Infantino werde “natürlich kandidieren”. Er sei sich nicht sicher, ob Stimmen “irgendwie” gekauft werden würden. Renggli sagt, er sehe es völlig anders, eine Wiederwahl sei nicht möglich. Infantino sei nicht mehr tragbar, es sei zuviel Geschirr zerschlagen worden. Die Moderatorin fragt, ob er eigentlich in Anbetracht seiner Äußerungen einen guten Rechtschutz habe, was Renggli bejaht, er sei zudem Mitglied in der Journalistengewerkschaft Impressum, die sehr gute Juristen habe.
Remo Maßat



